Was bedeutet „Abhalten“?
Baby abhalten heisst, das Kind so zu halten, dass es seine Ausscheidungen von Urin und Stuhl nicht in eine Windel, sondern in ein Gefäß wie Waschbecken, Töpfchen oder Toilette machen kann. Dabei geht es nicht um frühe Sauberkeit, sondern darum, die biologischen Anlagen zu kennen, zu erfahren und entsprechend zu begleiten.
Das heißt also keineswegs windelfrei! Windeln machen sogar sehr viel Sinn. Warum? Sie nehmen der frühkindlichen Reinlichkeit – dem Abhalten ab Geburt – den Stress raus:

„Kein Kind möchte in seinen Ausscheidungen liegen“
Die frühkindliche Reinlichkeit ist ja bei vielen oft mit dem Begriff «Windelfrei» gekoppelt: Was bedeutet „Windelfrei“ bei EPM tatsächlich?
Windelfrei im Sinne von Abhalten bedeutet keinen Verzicht auf Windeln.
Die Windel bleibt ein fester Teil des Alltags. Sie gibt Sicherheit und nimmt Druck aus der Situation.
Wichtig ist zuerst zu verstehen, was Windelfrei nicht ist:
- keine frühe Sauberkeitserziehung
- kein Training
- kein Ziel, das erreicht werden muss
- kein Vergleich mit anderen Kindern
- kein „richtig“ oder „falsch“
Windelfrei bedeutet hier auch nicht, dass ein Baby etwas aktiv erlernen oder bewusst steuern soll. Babys können ihre Ausscheidungen nicht bewusst kontrollieren, sondern es ist die Stimulation von biologisch angelegten frühkindlichen Reflexen. Abhalten basiert nicht auf Kontrolle, sondern auf Beziehung, Beobachtung und Resonanz.
Stattdessen geht es um eine einfache Idee:
Babys haben von Geburt an Bedürfnisse. Auch das Bedürfnis auszuscheiden. Manche Eltern möchten darauf reagieren, so wie sie auf Hunger oder Müdigkeit reagieren.
Abhalten ist deshalb ein Angebot – ähnlich dem Stillen, das sich mit der Erfahrung einspielt.
Niemand spricht beim Stillen von Training oder gar von Zwang.
Hilfreich ist: Wenn man weiß, wie es aus biologischer Sicht geregelt ist:
Wann Abhalten am besten gelingt.
Warum? Das Baby (die biologischen Anlagen) erkennt sehr schnell einen Rhythmus.
Windelfrei ist kein Konzept, das man „durchzieht“. Es ist etwas, das sich dem Alltag anpasst – nicht umgekehrt.


Abhalten im Alltag – wie es aussehen kann
Abhalten bedeutet, ein Baby über ein Waschbecken, eine Toilette, ein Töpfchen (oder irgendwo draußen) zu halten, wenn es aus biologischer Sicht angezeigt ist.
Diese Anzeichen sind biologisch angelegt und universell vorhanden. Je besser Eltern sie kennen, desto verständlicher werden die entsprechenden Signale des Babys erkannt und gelesen. Es geht nicht um Genauigkeit, sondern um Aufmerksamkeit.
Häufige Situationen, in denen Abhalten am besten gelingt:
- nach dem Aufwachen (im Schlaf scheiden Babys nicht aus)
- nach dem Stillen oder Füttern (gastrokolischer Reflex)
- beim Wickeln (entsprechende Rezeptoren reagieren)
- bei plötzlicher Unruhe (entsprechende Rezeptoren)
- bei bestimmten Lauten oder Gesichtsausdrücken (Signallaute)

Wichtig ist:
Beim Neugeborenen geht es beim Ausscheiden in erster Linie um den Stuhlgang. Der erfolgt im Rhythmus des Stillens (gastrokolischer Reflex) und sollte deshalb entsprechend stimuliert werden.
Warum?
So wird verhindert, dass das Baby unter Koliken leidet und der Verdauungsapparat bekommt von Anfang an einen klaren und gesunden Rhythmus. Wie man das macht und warum es wichtig ist, erfährst du im Kurs. Aber auch da sollen sich Eltern nicht stressen – Wissen ist aber entscheidend.
Wenn Pipi in der Windel landet, darf das nicht nur, sondern muss vernachlässigt werden. Auf keinen Fall sollte versucht werden, das Baby absolut windelfrei zu bekommen.
Wenn ein Signal übersehen wird, passiert nichts Schlimmes. Es kann aber durchaus sein, dass, wenn das Baby gewohnt ist, dass es zum Ausscheiden abgehalten wird, es darauf besteht – das heißt, es schreit so lange, bis es abgehalten wird.
Ein zentraler Punkt ist die Haltung der Eltern:
Abhalten soll entspannen, nicht stressen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abhalten?

Die besten Positionen zum abhalten

Klassisch
An den Unterschenkeln fassen, mit dem eigenen Körper abstützen. Diese Position ist überall ausführbar. Über einem Gefäß, am Waschbecken aber auch draußen in der freien Natur. Bereits das Neugeborene soll auf diese Art abgehalten werden (nicht liegend). Auf diese Art können physiologisch bereits Neugeborene am besten stuhlen.

Auf dem Töpfchen:
Der Körper des Babys wird hier ebenfalls mit dem eigenen Körper gestützt. Nur, dass das Baby hier auf dem Töpfchen sitzt. Wenn es ein bisschen länger dauert, ist diese Art entspannter für die Eltern. Während oder kurz nach dem Stillen, weil das Töpfchen griffbereit daneben ist oder unterwegs – alternativ zum Abhalten am Waschbecken.

Auf der Toilette sitzend:
Solange man hinter dem Baby Platz hat, eine gute Form. Anwenden: Auf Besuch, unterwegs im Restaurant usw. Wichtig: Die abhaltende Person ist hinter dem Baby hält und stützt es.
Diese Abhaltepositionen sollten alternativ benutzt werden. Warum? Neurologisch soll das Ausscheiden nicht mit einem spezifischen Ort oder Position gekoppelt sein. Was sich gleich bleibt: Die abhaltende Person ist hinter dem Baby, nur der Ort oder die Art ändert sich.
Wir wünschen uns…
…mehr sichere Bindung
Durch Abhalten beobachten Eltern ihr Baby genauer. Sie achten auf kleine Veränderungen, auf Körpersprache und auf Stimmungen. Das ermöglicht eine sichere Bindung.
Das Baby erlebt:
Meine Signale werden gesehen.
Ich werde ernst genommen.
…mehr Vertrauen
Abhalten bedeutet, dem Baby zu vertrauen.
Aber es schafft auch Vertrauen des Baby in seine Eltern, weil sie auf seine Bedürfnisse richtig reagieren.
Eltern lernen, dass nicht alles kontrolliert werden kann – und auch nicht muss.
…mehr Gelassenheit im Umgang mit Ausscheidungen
Viele Eltern empfinden Abhalten als entlastend, weil Ausscheidungen weniger tabuisiert werden. Sie gehören einfach dazu, ohne Drama und ohne Bewertung. Sie sind Teil unserer Gesundheit und Wohlbefindens und folgen einem natürlichen Entwicklungsplan.
…ein respektvoller Umgang mit Bedürfnissen
Abhalten stellt die Frage:
Was braucht mein Kind gerade?
Nicht: Was sollte es können?

FAQ
Machen wir einen Vergleich und du kannst dir selber ein Bild machen.
- Ausscheidung in die Windel:
Anfänglich ist der Stuhl sehr flüssig und gelblich. - Wenn das Baby stuhlt, dann kommt oft eine große Menge, das geht hoch bis zum Hals. Bis das alles geputzt, abgewaschen und die Kleider gewechselt sind – das dauert eine Ewigkeit.
- Väter finden es oft auch eklig.
Wird das Baby abgehalten:
- Muss lediglich das Baby ausgepackt werden und alles kann in einem Wisch erledigt werden. Am Waschbecken mit frischem sauberem Wasser, Po schnell spülen, mit Mullwindel trocken tupfen. Keine Feuchttüchlein, keine Windeldermatitis und ein überaus zufriedenes Baby.
Außerdem:
- Da es ein frühkindlicher Reflex ist, versucht das Baby sofort auszuscheiden, wenn es abgehalten wird. Wenn kein Stuhl kommt, dann kommen meistens Gase. Folglich hat es keine Blähungen.
- Auch die berühmt-berüchtigen 3-Monats-Koliken findet man bei abgehaltenen Babys kaum.
- Das Gegenteil ist der Fall: Abgehaltene Babys sind entspannter, zufriedener, glücklicher. Entspanntes Baby – entspannte Eltern.
- Nein, bei hello nappy ist das Ziel entspannt und mit Freude abzuhalten.
Je entspannter die Eltern, desto entspannter das Baby ????
Deshalb heißt es nicht windelfrei sondern hello nappy. - Anfänglich rate ich dir immer eine Windel anzuziehen. Mindestens so lange bis du den Rhythmus des Babys kennst, bis kein Stuhl mehr in der Windel landet und das Baby nicht mehr zig-Mal am Tag Pipi macht.
- Sobald nur noch Pipi in der Windel landet (das ist meistens schon nach dem 1. Monat) – kannst du problemlos auf Stoffwindeln wechseln. Somit schonst du deinen Geldbeutel und die Umwelt.
- Das Baby lernt dann auszuscheiden, wenn du abhältst und falls du trägst, sind die Signale sehr deutlich.
- Aber gewinne erst an Sicherheit – das Baby ist nicht früher trocken – aber du evtl. gestresst, wenn du zu früh die Windel weglässt.
Die wichtigste Zeit ist die ersten drei Monate. Wie gesagt, das Verhalten ist ja biologisch angelegt und gehört zu den frühkindlichen Reflexen. Jetzt erhält das Gehirn in der vorgesehenen Zeit den richtigen Input für die entsprechend sensiblen Phasen, damit die Verdauung und die Ausscheidungen richtig orchestriert werden können. Das Gehirn erhält so die Möglichkeit, schon früh die richtigen Schaltungen zu machen. Weil es sich da um frühkindliche Prägungsphasen handelt, sind sie für die biologisch gesunde Entwicklung relevant. Und das ist ja alles in der Elternzeit und eh eine ganz besonders wichtige Zeit, die die Eltern mit ihrem Baby nutzen sollten.
- Falls sich die Kita weigert, das Baby abzuhalten, ist es immer noch besser, wenn es durch die Eltern, wenn es zuhause ist, abgehalten wird – als gar nicht. Z. B. gleich nach dem Schlafen am Morgen beim Aufwachen usw.
- Viele Kitas fangen an, das Abhalten anzubieten. Denn es gibt sogenannte Schlüsselzeiten, wie nach dem Schlafen, nach dem Essen usw., wo Babys problemlos ausscheiden oder, wenn man eh die Windel wechselt. Man sollte immer das Gespräch mit der Kita suchen und ihnen evtl. entsprechende Infos zukommen lassen. (Wir bieten dazu ein e-learning Programm an.)
Das ist durchaus möglich. Die wenigsten Menschen wissen, dass das Baby ab dem 1. Lebenstag diese Anlagen hat – entsprechend reagieren sie verwundert oder auch konsterniert.
Am besten begegnet man diesen Menschen mit Humor und Verständnis: Z. B.: „Haben Sie nicht gewusst, das ist ein frühkindlicher Reflex – das können alle Babys der Welt!“
„Babys mögen es eben sauber!“ Und dabei lachen.
- Du kannst jederzeit beginnen.
- Da es zu den frühkindlichen Reflexen gehört, verschwindet dieser Ende des dritten Monats. Das Gehirn hat aber die Fähigkeit, den verpassten Lernschritt auf andere Weise zu lernen. Es werden jetzt andere Gehirnschaltkreise aktiv und es braucht deinerseits vielleicht ein bisschen mehr Geduld oder Umsicht. Sonst ist aber immer noch nichts verpasst.
- Am besten schon am ersten Lebenstag – oder am Tag, wo du von hello nappy hörst.
- Probiere es einfach aus. Anfänglich ist das Waschbecken sicher der geeignetste Ort.
- Sei entspannt und ohne Erwartungen. Singe, summe dazu, lass ein bisschen Wasser laufen – auch über die Genitalien, mach leise pssspssspsss – das ist der Signallaut zum Ausscheiden.
- Da es ein frühkindlicher Reflex ist, funktioniert es bei jedem Baby, wenn du in den ersten Tagen/Wochen beginnst.
- Später brauchst du vielleicht ein bisschen mehr Geduld, dann gib deinem Baby Zeit
- Helllo nappy bedeutet, dass jedes Baby alle Anlagen zur Reinlichkeit mit auf die Welt bringt. Das Ausscheideverhalten eines Babys gehört sogar zu den frühkindlichen Reflexen. Diese Reflexe haben überlebenssichernde Funktionen, um wichtiges Verhalten in den ersten Lebemsmonaten unwillkürlich (instinktiv) zu steuern. Es handelt sich hier also nicht um ein Training oder etwas das erst gelernt werden muss. Dieser Reflex muss lediglich richtig stimuliert werden (wie beim Stillen).
- Es heißt auch nicht, dass man komplett auf Windeln verzichtet, deshalb ist «Windelfrei» der falsche Ausdruck – wir sprechen deshalb lieber von «hello nappy». Aber es heisst, dass man die Kommunikation des Säuglings richtig liest und darauf reagiert, indem man es abhält oder ins Töpfchen machen lässt.
- Es ist der bio-logische Weg für dein Baby.
- Weinen
- Unruhe
- Heftiges Schreien (wenn frühere Signale nicht beachtet wurden)
- Während dem Stillen Geräusche, an der Brustwarze ziehen sowie Aufhören mit Trinken und ein intensiver Augenkontakt
- In sich gekehrt – Blick nach innen (vor allem beim Pieseln)
Aber wichtig ist, dass Eltern nicht nur auf die Signale schauen, sondern selber Führung übernehmen wie:
- gleich nach dem Schlafen abhalten
- während oder gleich nach dem Stillen (Nahrungsaufnahme löst den gastrokolischen Reflex aus)
- oder nach Gefühl, auf die Intuition hören
Ein Asiatöpfchen (das ist ein kleines Abhaltetöpfchen), das kannst du überall mitnehmen – auch im Zug oder Auto. Das ist praktisch und sinnvoll.
Nach dem Schlafen erst abhalten und dann stillen. Dann am besten nur in Frottiertuch wickeln, stillen. Wenn das Baby Geräusche von sich gibt, aufhört zu trinken, Augenkontakt macht, will es abgehalten werden. Das sind klare Signale.
Beim Stillen ist es sinnvoll ein Töpfchen (Asia) in der Nähe zu haben. Dieses klemmst du zwischen deine Beine und setzt dein Baby drauf – danach kannst du in Ruhe weiterstillen.
Ansonsten ist das Waschbecken anfänglich der beste Ort, um ein Neugeborenes abzuhalten. Du kannst bequem stehen, kannst ein bisschen Wasser laufen lassen (auch über Genitalien) danach die Ausscheidungen bequem wegspülen und den Po des Babys gleich mit frischem Wasser spülen.
Das ist schnell, sauber und bequem.
Im Online-Basismodul erhältst du alle Infos zur EPM-Pädagogik. Das ist die Grundlage für hello nappy und stressfrei abzuhalten.
Dieses Modul ist sehr empfehlenswert für Eltern wie auch für Fachpersonen (Hebammen, Mütter- & Väterberatung etc.). Er gibt einen guten Einblick in die Pädagogik.
Und ganz neu unser höchst fundiertes e-learning Programm mit wissenschaftlichen Fakten, klaren Ausführungen und vielen Videos zum Abhalten: